
DNN vom 16.04.2012 Doch die Mimen schweigen - Mozarts "Zauberflöte" (fast gänzlich) ohne Worte
Hemingway schrieb einmal, man btauche zwei Jahre, um sprechen zu lernen, und fünfzig, um schweigen zu lernen, aber er war nie mit Finnen oder Mecklenburgern in Kontakt getreten bei all seinen Jagden und Stierkämpfen, er wusste nicht, dass diese das Schweigen vor dem Sprechen lernen. Als Mann einfach mal zu schweigen? Wo ist das Problem?, wird so mancher Finne oder Pommer fragen.
Aber es gibt aber auch andere Völkerschaften - und bei nicht wenigen ist es, und durchaus auch für Männer, eine schwere Prüfung, nicht sprechen zu dürfen: Rheinländer, Italiener... Sie wissen insofern auch besser, welche Qual für Prinz Tamino und den Vogelhändler Papageno das in der Mozart-Oper "Die Zauberflöte" von Sarastro auferlegte Schweigeverbot bedeutet. Nicht sprechen sollen in der Regel auch die Pantomimen. Insofern ist es ein kleiner logischer Bruch, wenn in der "Zauberflöte", die am Wochenende in der Mimenbühne Dresden Premiere hatte, nicht gesprochen werden darf. Hier wird die ganze Zeit kein wort verloren, jedenfalls nicht von den Akteuren der Oper, also etwa von der Königin der Nacht (Maxie Spehr), Sarastro (reinhard Claus), Tamino (Jan Romberg) oder Pamina (Katrin Leucke). Allein Jürgen Stegmann spricht, der als wohl vorbereiteter Kulturbürger im Anzug steckend samt Libretto in der zweiten Reihe sitzt, aber auch immer wieder kommentierend und erläuternd auf der Bühne ins Geschehen eingreift.
Die Oper von Mozart hat, wie am Ende der Inszenierung eingeräumt wird, "seit ihrer Entstehung viel aushalten müssen". In dieser "Oper á la Mime" wird zwar nicht auf die wunderebare Musik verzichtet, wohl aber auf Gesangsleistungen im eigentlichen Sinne. Trotzdem ist man fasziniert, wie die neun Akteure des Mimenstudios Dresden den Mozart-Klassiker umsetzen. Die Mischung stimmt, angefangen von den nicht nur farblich ideenreichen Kostümen (ein besonders apartes schuf Andrea Wiener für Arne König, der als Papageno auf der Flöte tiriliert) von schlichter wie opulenter Eleganz bis hin zu den eingeflochtenten Witz, etwa wenn Stegmannerklärt: "Ein Hain? Das ist das gleiche wie ein Park. Nur ohne Eintritt." Und als Kritiker ist man auch durchaus dankbar, wenn man bei einer Szene, die gestrichen wurde, darauf hingewiesen wird: "Hier passiert nichts weiter von Bedeutung. Sie brauchenalso nichts aufzuschreiben!"
Auch ein Kalauer "Das Theater wird zum Brechtschen Gemach, äh nein, prächtigen Gemach" sind ganz hübsch. Die Inszenierung von Ralf Herzog besticht überhaupt durch Witz, der eher unterschwelliger Natur ist, so dass die Oper eben nicht zur Ulk-Nummer verkommt. Die Qualen, die Liebende auszustehen haben, stehen den famos die Gesichtsmuskeln spielen lassendenMimen durchaus ins Gesicht geschrieben, und man wäre ein Hundsfott, würde einen das klat lassen. Die erkenntnis "Lieber mittels Eisen sterben, als durch Liebesgram verderben" ist jederzeit nachvollziehbar. Das Timing zwischen Musik und Mimik stimmt (choreographische Mitarbeit wurde von Rebekka Simon geleistet), nur dass die Königin der Nacht bei ihrer berühmten Arie auch kurz über den Boden kriecht, ist irgendwie nicht überzeugend. Sonst ist die Sache rund. Es gilt auch für den Kritiker die alte Gentleman-Devise: "Man genießt - und schweigt!"
Christian Ruf
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DNN vom 26./27. März 2011 Absurde Begegnung mit mir
Was wäre, wenn mein Spiegelbild auf einmal anders denkt und handelt als ich? Wenn es mir Vorschriften macht, was ich zu tun habe? Wenn es aus mir einen völlig neuen Menschen machen wollte? Das wäre doch glatt Schizophrenie! Oder? Und doch ist nichts unmöglich! Nicht auf der Theaterbühne.So haben der Kabarettist Thomas Kleinrensing und der Pantomime Ralf Herzog ein Spiel für zwei Figuren entwickelt, die zwar naturgemäß zusammen gehören aber praktisch völlig voneinander wegdriften.
"Ein Tag mit ich und mich" offenbart sich als reizvoller Blick in den Spiegel. "Ich" [Kleinrensing] ist längst schon in der Hölle angekommen, aber selbst dort will man ihn auf Grund seiner Alkoholexzesse nicht mehr dulden. Er fliegt hochkant hinaus und muss dabei sogar noch den Teufelsschwanz zurücklassen. Das wurmt das "Mich" [Herzog] mächtig, das "Ich" aber kratzt es nicht. Hauptsache, die Zigaretten und der Alkohol bleiben ihm erhalten und der soziale Status Hartz IV garantiert ihm das ja. Sein Wahlspruch "Keine Frau, kein Job ... keine Probleme!" hat sich erfüllt. Das "Ich" hat nuh genügend Zeit zum Schwadronieren und Philosophieren, während das "Mich" permanent versucht, die Dinge wieder gerade zu rücken.
Herzog und Kleinrensing haben zwei Wesen erschaffen, denen man durchaus begegnen könnte. In Miniszenen stellt Kleinrensing den täglichen Überlebenskampf des homo sapiens in einer Welt dar, die Überfluss und Armut miteinander paart. Er sinniert über seine Vergangenheit als Oberkellner in einem Vier-Sterne-Restaurant und bündelt die Erkenntnisse in dem Statement: "Ja, früher war ich wer!" Er erinnert sich an seine Ehe und schlussfolgert daraus: "Männer und Frauen - das ist wie runder Deckel und eckiger Topf!" Ralf Herzog ist das stumme Ebenbild, das alles daran setzt, das "Ich" wieder in ein vorzeigbares Wesen umzuwandeln. Das erweist sich als zäher und mühseliger Prozess. doch schließlich schaffen es beide trotz aller Vorbehalte vom "Ich" den Sprung in den Himmel.
"Ein Tag mit ich und mich" schöpft seinen Witz aus dem Zusammenspiel eines wortgewaltigen und eines stummen Mimen. Dabei wird sich das eine oder andere unologische Moment noch abschleifen. Warum zum Beispiel "malocht" Thomas Kleinrensing im reichlich angestaubten Ruhrpottdialekt?
W. Zimmermann ____________________________________________________________________________
DIE NOVUM vom 17.11.10 Schweigen ist Gold
Den Artikel von Anne Fischer finden Sie [hier]. ____________________________________________________________________________
DNN vom 11.10.2010 Wohl bekomm's! Die Akteure des Mimenstudios laden ins "Restaurant Fatal"
In vino veritas. Aber liegt im Wein bisweilen nicht nur gern die Wahrheit, sondern auch die Lüge? " Der Wein hat eine Pfirsichnase und hinten einen Hauch Zitrus!" "Es schmeckt erdig, fruchtig, im Abgang hinten auch durchaus nussig!" Sätze wie diese bekommt man ja jetzt öfter um die Ohren gehauen. Es mangelt nicht an Geistern, die sich ohne allzu große Chuzpe den Übertritt in Bacchus' Reich zutrauen und sich als groß er Weinkenner gerieren, weil sie mal ein Weinseminar besucht haben, während unsereins sich im Gegensatz dann nicht getraut zu sagen, dass er auf der Zunge in erster Linie ein pelziges Ge- fühl hat. Auch in einer Szene des Stücks " Restaurant Fatal", das am Wochenende Premiere hatte, wird Wein verkostet. Ein ganzer Tisch steht voller Flaschen! Ein Anblick, der WG-Mitgliedern und Überlebenden exzessiver Brigadefeiern zu sozialistischen Zeiten ja zutiefst vertraut ist. Es bleibt einem aber erspart, sich Sätze wie die oben angerührten oder ähnliches Geschwalle über Oberföhringer Vogelspinne, Kröver Nacktarsch oder ähnlich edle Tropfen mit anhören zu müssen. Denn die Akteure der Mimenbühne zeigen " nonver- bales obskures Maskentheater". Idee und Buch zum Stück " Restaurant Fatal" stammen von Ralf Herzog, der, unterstützt von Jan Romberg, auch Regie führte. Reinhard Clauß , Arne König, Katrin Leucke, Antje Linke, Maxie Spehr und Ines Zeun spielen Personal wie Gäste dieses Restaurants, Masken tragend, die von ihnen eigens gestaltet wurden und die - kleine Kunst- werke - wirklich entzückend anzuschauen sind. Fast alle sorgen beim ersten Sehen sogar für Lacher. Die Akteure pflegen eine Kunstform, die hierzulande selten, viel zu selten, ausgeübt wird: Maskentheater, das man, anders als in Italien oder Skandinavien, an fast allen Theater- häusern der Republik scheut. Mal wieder trifft eine Sentenz Oscar Wildes zu: "Eine Maske verrät mehr als ein Gesicht." Das turbulente Geschehen erschließt sich - nicht zuletzt dank reichlich Nuancen schaffender Gesten - auch so. Unverständ- lich bleibt eigentlich nur, wieso die erste den Gourmettempel mit einem Besuch beehrende Frau, die, da sie heimlich viel in einen Notizblock krittelte, eine Kritikerin zu sein scheint, am Ende "Sterne" verteilt - schließlich waren die Knödel hart wie Beton, wurden ihr gar in die Bluse gestopft. Aber vielleicht ist sie ja dankbar, dass sie jetzt - ganz ohne Silikon - Körbchen- größe D statt A hat? Auch das Personal hat keinen Stern verdient. Es mag sich ja alle Mühen geben, stolpert aber in alle Fettnäpfchen, die möglich sind. Anfangs liegt ja ein Hauch von sozialistischer Kellnerschule in der Luft, das Personal spielt erst mal Karten oder Reise nach Jerusalem. Dann kommen die Gäste, mit allen geht ei- gentlich was schief, auch wenn Koch und Kellner sich noch so viel Mühe geben. Geld kommt ohnehin keines in die Kasse, selbst der Bankräuber geht leer aus. Wer im Publikum gedacht haben mag, er habe einen Sch... tag gehabt, der sieht hier, dass es noch viel schlimmer geht. Mitunter liegt ein Hauch von "Stomp" in der Luft, etwa wenn das Restaurant-Personal wie Schwaben zur Kehrwoche mit dem Besen in der Hand eine Art Putzkolonien-Symphonie an- stimmt. Um es frei mit Obama zu sagen: Yes, we kehr for you! Auch das Geklöppel auf den Weinflaschen fällt überzeugend aus, auch wenn das die Akteure keine wirklichen Rhythmusgenies sind.
Christian Ruf ____________________________________________________________________________
Sächsische Zeitung, 18.12.09 Akustische Rockmusik im Theater
Die Dresdner Rockband 7ieben lädt zwei Monate vor Veröffentlichung ihres inzwischen vierten Albums "Lupus und Lea" (Timezone Records) zu einer akustischen Spezial-Show. Die wandlungsfähigen Rocker vertonen ihr neues Album mit Konzertgitarre, Akustikbass und Satzgesängen. Diesmal tauchen sie ein in die intime Atmosphäre des Theaters wechselbad, und kleiden das neue Album und ihr Jazz-Rock-Pop-Coverreportoire auf der Mimenbühne in akustische Arrangements. Gäste sind Christoph "Cort" Schlosser (Ex-MadRacoon), Sebastian Opitz und andere.
Nachdem das Online-Release von "Lupus und Lea" in diesem Jahr einige Wellen schlug, fand sich die ausgekoppelte Single "Schrei" auf einigen Samplern wieder ("Kein Bock auf Nazis", "Sound of Dresden 5", "Lord Bishop knows", Musikmesse-Sampler "Best of the web"). Das Digipack mit neuem Album "Lupus und Lea", das auf dem Osnabrücker Indielabel Timezone Records am 19. Februar veröffentlicht wird, gibt's nur an diesem abend bereits vor dem Release-Konzert zu kaufen. _________________________________________________________________________
DNN, 26.06.09 Pleiten, Pech und Pannen ... bei der "Tour de Trance" Premiere mit echten Schweißtropfen auf der Mimenbühne Dresden
"Uns ist noch nicht klar, wer der Sieger sein wird!", sagte eingangs der Pantomime Ralf Herzog ins Publikum. Und schickte danach nicht die altbekannte "Tour de France" auf die Strecke, sondern seine absichtlich etwas anders gepolte "Tour de Trance". Das Publikum aber wurde zugleich aufgerufen, den Fanblock zu bilden, das heißt Fan am Start, an der Strecke und am Zielort zu sein. Mit allen Attributen, die den heutigen Fanbegriff dokumentieren. In dem gilt selbstredend das Freund-Feind-Bild nicht mehr, es gibt nur noch den Feind. Das bedeutet unter anderem speziell für die Profiradler: Ein Feind ist, wer dich überholt und dir so den Sieg beziehungsweise das Siegesgeld streitig machen will. Feind ist auch, wer ein andersfarbiges T-Shirt trägt. Feind schließlich ist, wer dich des Dopings beschuldigt, aber selbst jede Menge diverse Pülverchen und Pillen konsumiert.
Mit all diesen Beigaben konnten auch die sechs Mitglieder der Mimenbühne Dresden punkten, die als Premiere auf ihrer Bühne in der Maternistraße erstmals auf solch eine "Tour de Trance" gingen. Die Rolle des Reporters beziehungsweise Moderators der "Tour de Trance" hatte Mimenstudiochef Ralf Herzog selbst übernommen, der sich zwischen den Etappen auch als Werbestratege für verschiedene Sponsoringfirmen outete (Deospray, Gummibärchen, Haarwuchsmittel etc.) oder auch mal zu anderen Sportarten umschaltete, die er dann mimisch vorstellte. Doch das Radrennn selbst - von der Dopingkontrolle bis hin zur Zielankunft - blieb der dominierende Dreh- und Angelpunkt. Inklusive der an Intensität und Einfallsreichtum im Laufe des Geschehens zunehmenden Rivalitäten und kleinen bösen Gemeinheiten, die unmittelbar nach dem Start zwischen den Radlern ausbrachen.
Kehrte man am Anfang noch den fairen Sportler heraus (durch die Zusammenfügung vieler Einzelteile zu einem Fahrrad geradezu symbolisch), so brach man gleich nach dem Start mit allen Regeln. Die Hilfsbereitschaft untereinander tendierte gegen Null, die Intrige dominierte, der Egoismus feierte Triumphe. Kein Wunder, winkte dem Sieger doch die stolze Summe von einer Million Euro. Der mimische Einfallsreichtum des sechsköpfigen Peletons war famos, und so manches daran schien weniger vergeben als vielmehr großartig improvisiert.
Jedenfalls, um die Million zu bekommen, braucht's allerhand Dopingmittel. So wandelte sich das Rennen tatsächlich zur "Tour de Trance" und so mancher Kampf in einen Krampf. Und mit buchstäblich letzter Kraft erreichten die Supersportler dann auch das Zielband. Nicht nur sinnbildlich schwitzend, sondern tatsächlich echte Schweißtropfen versprühend. Doch noch im Endspurt hatt die Fairness nicht die Spur einer Chance. Was schließlich darin gipfelte, dass der Sieger - am Premierenabend war es die Nummer 5 - allein durch die Intensität des Beifalls gekürt wurde. Und da der Radsport trotz Doping weiterlebt, wird auch die "Tour de Trance" sicher noch öfter auf dem Spielplan der Dresdner Mimenbühne stehen.
W. Zimmermann / Foto: W. Zimmermann
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Auswertung „Zu Gast in der eigenen City“
Vom 7. auf den 8. Februar 2009 konnten Dresdnerinnen und Dresdner wieder zu Gast in der eigenen City sein. Daran beteiligte sich auch die Mimenbühne Dresden.
Mit einem Fragebogen wurde anschließend die Zufriedenheit der Gäste mit dieser Aktion im Allgemeinen sowie mit den einzelnen Bestandteilen – Hotelübernachtung, Kulturprogramm, Stadtrundgang – im Besonderen überprüft.
Bei der Auswertung waren 100 Prozent der Teilnehmer „zufrieden“, wobei 87 Prozent „sehr zufrieden“ angaben. Bilder von den "Clowns" gibt's hier ...
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Kommentare zum Stück „Best of Herzog“:
- Herzog strapaziert die Lachmuskeln und bezieht das Publikum mit ein - Tolles Theater, tolle Einzelleistung - Sehr unterhaltsam
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DNN, 11.07.08 Rote Nasen im Zentrum „Clowns“, das neue Programm der Mimenbühne, hat am Sonnabend Premiere
„Es ist tatsächlich immer wieder verblüffend“ sagt Pantomime Ralf Herzog: „Gehst du mit einer roten Nase im Gesicht durch Dresden und animierst die Menschen, nimmt keiner dir was übel“. Seine Bühnenpartnerin Antje Linke ergänzt: „Menschen reagieren völlig anders, sehen sie sich z. B. mitten auf dem Neumarkt plötzlich einem Clown gegenüber.“ Beide haben sie in den letzten Wochen diese Erkenntnisse ausgelebt. Angetan mit weißem Kostüm und mitten im Gesicht eine leuchtend rote Knollennase vor sich her tragend, trieben die Pantomimen an den unterschiedlichsten Orten der Landeshauptstadt ihr Unwesen. Sie fragten z. B. eine Baubrigade, die gerade eine Mittagspause einlegte, ob sie in der Zwischenzeit ein wenig weiterschaufeln dürften. Die Arbeiter hatten nichts dagegen. Das fand ein Vorbeieilender ganz amüsant, blieb stehen und schaute zu, während der nächste nicht mal den Kopf wendete. Sie mischten sich ebenso unter eine Truppe eifrig filmender japanischer Touristen, stellten sich hier mal vor die Linse und alberten dort mal ein wenig herum. Sie unterstützten lautstark eine tschechische Straßenmusikerband, trieben ihren Jux unter der Wasserinstallation am Schauspielhaus, machten an der Straßenecke kleine Kunststückchen und gingen dann mit einem Hut sammeln.
All diese seltsamen und teilweise recht verrückten Situationen ließen die beiden Pantomimen auf einen Film bannen, der in ihrem neuen Bühnenprogramm ein Stück Authentizität vermitteln soll. Das wiederum erlebt morgen und am Sonnabend seine Premiere auf der Mimenbühne Dresden und wird zugleich der letzte Höhepunkt der Kleinkunstbühne auf der Maternistraße vor der Sommerpause sein. „Clowns“ heißt das Programm logischerweise, und es verspricht „köstlich, traurig und absurd“ zu werden. „Weil“, sagt Ralf Herzog, „ein Clown eigentlich immer auf die Fresse fliegt, egal was er auch anstellt“.
Die Bilanz der zu Ende gehenden Spielzeit ist nach Herzogs Worten sehr durchwachsen. Es gebe zwar keinerlei Anlass, sich Sorgen zu machen. Freudensprünge seien aber ebenfalls nicht unbedingt angebracht. Die ringsum rasant steigenden Verbraucherpreise zwingen natürlich auch den kulturell interessierten Bürger zur Sparsamkeit. Aus diesen Gründen wohl wird das traditionelle „Mimenfestival“ in diesem Jahr erstmals nicht stattfinden können. Und aus disen Gründen auch sind die 99 Plätze des kleinen Theaters selten zu hundert Prozent verkauft. Seit nunmehr vier Jahren hat die Mimenbühne ihr Domizil im Theater Wechselbad und kann hier auf der Grundlage eines sehr kulanten Mietvertrages unter ordentlichen Bedingungen arbeiten. In den eigenen Produktionen sind acht professionell agierende Pantomimen beschäftigt. Außerdem tummeln sich innerhalb des Mimenstudios noch bis zu 15 nebenberufliche Pantomimen, die hin und wieder auch in Inszenierungen mitwirken. Zwölf fertige Stücke in unterschiedlichsten Besetzungen hat die Bühne derzeit im Repertoire; die spielen sie sowohl auf der Dresdner Bühne als auch außerhalb.
Für Gastspiele im Kleinkunstbereich – von Kabarett über Schauspiel und Magie bis hin zu musikalischen Programmen – war und ist die Mimenbühne ein guter Ansprechpartner. Künstler, die hier auftreten wollen, bekommen zwar keine Festhonorare gezahlt, haben dafür aber die Garantie einer fairen Einnahmenteilung. „Wir wollen auch zukünftig eine Bühne sein, die für Kleinkünstler von außerhalb offen steht“, sagt Herzog und verweist auf die Genrevielfalt der zu Ende gehenden Spielzeit.
Auf den Erfolg der „Schülerkonzerte“ als Anrechtsveranstaltung ist Ralf Herzog mit Recht stolz. Damit ist die Mimenbühne nämlich neben der Dresdner Philharmonie und anderen bedeutenden Veranstaltern in eine Anrechstreihe integriert, die sehr gut besucht wird bzw. in der Regel sogar ausverkauft ist. „Wir setzen dabei unsere erfolgreichen Programme „Das Bildnis“ (ein Mimenprogramm nach Oscar Wilde) und die „Mime Time“ (mimische Improvisationsveranstaltung) ein“, so Herzog.
Wie es ab September dann weitergeht? Na ja, die Eckdaten des Programms stehen schon. So wird am 25. September unter dem Titel „Luamar“ ein hochkarätig besetztes musikalisches Gastspiel stattfinden. Und so soll es auch wieder eine eigene neue Mimenproduktion geben. Doch damit hält Ralf Herzog noch sehr hinterm Berg, sagt nur: „Wenn alles klappt, geht’s mit einem Knaller los!“ Und fügt noch salomonisch hinzu „Es gibt zwei Varianten, entweder es wird ein Knaller oder es wird keiner. Mehr kann ich noch nicht verraten.“
W. Zimmermann
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DNN 29.04.2008 Die singende Putzfrau Karin Theiss gastierte auf der Dresdner Mimenbühne
Es ist, wie es ist! Da hat man zwar einen ziemlich krisensicheren Job, doch der macht alles andere als Spaß. Nämlich; Putzfrau zu sein. Alternativ dazu hat man noch eine Leidenschaft, die aber niemanden ringsum interessiert. Nämlich; wie Elvis singen zu wollen und zu können. Das erste aber geht mit dem zweiten nicht konform. Fürs zweite allerdings braucht’s eine Bühne und ein Publikum, was das erste mit ein wenig Augenzudrücken hergibt. Joseffa ist solch eine singende Putzfrau. Der Putzjob allerdings hängt ihr geradezu sichtbar zum Halse heraus. Denn so resignierend missmutig in die Gegend schauen kann nur jemand, der absolut keine Freude an dem hat, was er tun muss.
Folgerichtig geht auch alles schief: der Besen zerfällt in seine Einzelteile, der Eimer wird zur Falle, der Putzlappen zum Stolperstein. Genügend Grund zum Schimpfen und Stöhnen über all die buckeligen Pfade des Lebens. Dann aber zaubert Joseffa aus der Tiefe ihrer Hosentasche einen Zettel hervor, der sich auseinandergefaltet als ein Poster mit dem Konterfei des „King of Rock’n Roll“ entpuppt. Von dieser Sekunde an ist Joseffa wie verwandelt. Sie trägt zwar immer noch die viel zu großen roten Turnschuhe, die viel zu weiten und gerade mal bis zur Wade reichenden Hosen und das grässliche rosa T-Shirt – doch sie trägt jetzt auch einen unübersehbaren Glanz in den Augen. Und mit ihrem Idol Auge in Auge macht selbst das Putzen wieder Spaß.
Weil der Besen zum Mikrofonständer wird, die Karotte zum Mikrofon, der Eimer zum Podest. Und weil ein Publikum da ist. Joseffa wandelt sich zum Star für den Moment, vergisst alles um sich her – singt und kokettiert, verausgabt sich in einer grotesken Springorgie und tobt über die Bühne, wie das der alte Elvis einst sicher nicht besser konnte. Vergessen ist der Job, Joseffa ist jetzt in ihrem eigentlichen Element. „Love me tender“ hat sie einstudiert, „Good luck charm“ und noch einige andere Ohrwürmer des längst verblichenen Rock’n Roll Kings von der Graceland-Farm. Manchmal macht es Mühe, im deutschen Revival das Original zu erkennen, doch das gerät in der wunderbar verrückten Performance zur Nebensache. „Joseffa“ ist das erste Bühnen-Soloprogramm der 1970 in Wien geborenen Karin Theiss. Und es ist ein treffend beobachteter und großartig gespielter Exkurs geworden, der aus dem tristen Alltag heraus in eine Traumwelt führt. Der Griff nach einem Quentchen Glück und sei es nur für den Moment.
Wolfgang Zimmermann
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DNN, 29.11. 2007 Truthahn mit Whiskey Premiere eines Weihnachtsprogramms auf der Mimenbühne
Ach, so abwegig ist der Gedanke gar nicht; eine kleine Siedlung bringt ein Kohlekraftwerk zur Explosion, weil die Häuslebewohner im Wahn des alljährlichen vorweihnachtlichen Illuminierens ihrer Eigenheime in einen geradezu militanten Wettbewerb getreten sind. Das hält dann irgendwann auch der größte Stromleitungsquerschnitt nicht mehr aus. Bianka Heuser und Karen Dreikopf erzählen diese Geschichte im nüchternen journalistischen Berichtsstil und beschreiben so zugleich die Apokalypse. Doch deren Dimension hat die Vorweihnachtszeit hierzulande längst erreicht. Möglichst direkt bis zur Bescherung am 24. Dezember rund um die Uhr und ohne Ruhetag auf Kredit einkaufen zu können – das erstrebenswerteste Ziel der Deutschen? Die Schauspielerin Bianka Heuser, die Sängerin Karen Dreikopf und die Pianistin Olga Nowikow haben in ihrem ersten gemeinsamen Programm die Zeit „Zwischen Vorfreude & Umtauschwahn“ kritisch, aber auch sehr schwarzhumorig hinterfragt. Herausgekommen ist ein Nummernprogramm, das die dunklen Seiten des jährlich wiederkehrenden festlichen Höhepunktes genüsslich aufspießt.
Anders als gewohnt ist die „Stille Nacht“ hier nicht das alles krönende Highlight, sondern wird zum Lied für das Entree. Gesungen in drei Sprachen und a capella im Trio. Loriots schwarzhumoriges Weihnachtsgedicht von der Förstersfrau, die sich im Advent auf ihre Art des Gatten entledigt, gehört unbedingt in ein solches Programm. Wie auch der immer beliebter werdende künstliche Weihnachtsbaum. Der hat aber schon die nächste Stufe erreicht, wenn Bianka Heuser werbewirksam die „3-D-Holofesttags-Baum-Box“ anbietet, eine Baumprojektion mit Fernbedienung. Originell sind auch die Tipps für den „Selten(kirch)gänger“, der im Gotteshaus tunlichst das Schunkeln, Pfeifen und Grölen vemeiden und auch den „Beutel voller Geld“ nicht als privates Geschenk ansehen sollte. Das Thema Völlerei wird genauso wenig ausgeklammert wie die zunehmende Geschenkeeuphorie. Zu ersterem stellt Bianka Heuser ihr Rezept „Truthahn mit Whiskey“ vor, wobei der Schwerpunkt nicht auf dem Vogel, sondern eher auf dem Alkohol liegt. Mit verständlicherweise ziemlich fatalen Folgen.
„Zwischen Vorfreude & Umtauschwahn“ lebt vor allem von den individuellen Stärken der drei Frauen; der kraftvollen Gesangsstimme von Karen Dreikopf, dem mimischen Talent Bianka Heusers und der sensiblen Klavierbegleitung durch Olga Nowikow. Mit ordentlicher Power in der Stimme besingt Karen Dreikopf z. B. die Völlerei nach der Melodie eines Cancan, formuliert sie ein neckisch-dominantes Stoßgebet an den Nikolaus und beschreibt mit den beiden anderen nach der Melodie „Süßer die Glocken nie klingen“ den Geschenke-Umtauschwahn zwischen Weihnachten und Neujahr. Dazwischen bekommt das Publikum noch was zu tun; nämlich aus drei Kandidatinnen (alle von Bianka Heuser gespielt) die passende Jungfrau Maria für Seligenstadt zu wählen. Und selbstverständlich muss ein solchermaßen absurdes Weihnachtsprogramm auch den ernsten moralischen Zeigefinger heben. Der zeigt u. a. auf den Profit, den die Deutsche Post mit den himmlischen Postämtern“ macht und betrachtet den rockigen George-Michael-Song „Last Christmas“ („WHAM“ von 1984) ganz im Sinne des Wortes; möge es möglicherweise tatsächlich die letzte verlogene Weihnacht gewesen sein. Dann allerdings könnte man sie auch nicht mehr auf die Schippe nehmen.
W. Zimmermann
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DNN 12.12.06 "Mimische Weihnachtsgeschenke en gros"
Der Weihnachtsmuffel bekommt Besuch, ganz gegen seinen Willen. Denn Weihnachten bedeutet für den überzeugten Single zunächst einmal jede Menge Stress. Außerdem leidet das Fernsehprogramm unter der Melancholie der Weihnacht. "Weihnachten im Fernsehen - das bedeutet vier Tage ohne Sport", wehklagt er. Und versucht nun, in seiner Singlebude aus dieser Zeit das möglichst Beste zu machen. Gleichwohl weiß er aber auch, dass er um gewisse familiäre Pflichten nicht herumkommt. Denn bei allen positiven Seiten des Singledaseins: Geschenke sind eben auch nicht zu verachten. Ergo lädt er die Tante - eine Cellistin - und den etwas hinfälligen Opa in sein bescheidenes Heim ein. Dort spendiert er eine Flasche preiswerten Weins und schiebt eine Ente in die Röhre. "Der Brüller unterm Weihnachtsbaum" hat Pantomime Ralf Herzog sein vorweihnachtliches Soloprogramm genannt, das am Sonntagabend im Mimenstudio Premiere feierte. Die Bühne war in eine typisch triste Single-Wohnstube verwandelt worden. Die Weihnachtsuffizien wie Glitzergirlanden und beleuchteter Baum hatte der Mime versteckt und zauberte sie - je nach Situation - hervor. Ein ausgestopfter Plüschtiger versperrte den Weg von Singlestube zur Singleküche und war natürlich dem zeitlosen Silvester-Gag "Dinner für one" nachempfunden. Keine Frage: Ralf Herzog verstand es, wunderbar zu stolpern. Und hatte auch das Gespür dafür, die Stolperei nicht endlos auszudehnen. Das Programm lebte - wie sollte es auch anders sein - vor allem davon, wie Ralf Herzog es verstand, das mit Superlativen überhäufte Weihnachtsfest in all seiner vordergründigen Falschheit und Oberflächlichkeit satirisch bloßzustellen.
Das gelingt ihm auch; vor allem dann, wenn er den Weihnachtsmarkt mit seinem dichten Gedränge besucht, oder wenn er die Tante und den Opa bewirtet, ihnen - natürlich - ein bescheidenes Geschenk macht und selbst angespannt danach jiepert, was er denn nun im Gegenzug bekommt. Selbstredend geht vieles schief. So ist etwa die Ente im Ofen verkohlt, und er hat als Alternative nur noch Chips anzubieten. Tante und Opa flüchten schon bald mit ihren Geschenken. Sie mit dem Parfüm, er mit einem Gebiss. Und schon ist der Single wieder allein. Aus dem besinnlichen Weihnachtslied "Ihr Kinderlein kommet" wird nach und nach eine fröhlich fetzige Blasmusik. Die Welt wird endlich wieder normal. Dass Ralf Herzog sein Programm dazu nutzt, seine bekannten Zurufpantomimen zu präsentieren, kann und sollte man ihm nicht übel nehmen. Denn das Publikum wartet gerade darauf.
W. Zimmermann
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DNN 01.08.06 BÜHNE DRESDEN- "Der Kaugummischuhlöffel"
"Close up" meinten die Pantomimen der Mimenbühne Dresden am Sonntag und zeigten ihr Können in einer eineinhalbstündigen "Best Of-Show", die für die sieben Akteure, einschließlich ihres Chefs Ralf Herzog zur kräftezehrenden Tortur wurde. Nicht wegen der mimischen Arbeit, sondern wegen tropischer Hitze, draußen und drinnen. Die Mimen trugen es mit Fassung und präsentierten einen Querschnitt ihrer Eigenproduktionen.
Da sich ein solcher Rückblick meist als eine überraschende Sammlung erweist, deren Fülle und Vielfalt man meist schon vergessen hat, litt "Close up" nicht an Mangelerscheinungen. Ob es das realistische Stück "Drum prüfe...." über die Licht- und Schattenseiten der Zweisamkeit war - treffend von Antje Linke und Jens Albrecht umgesetzt -, die Duopantomime von Ines Zeun und Ralf Herzog "Durch dich wird diese Welt erst schön" oder Maxie Speers Solostück "Der Stau". Seit Friedemann Conte als ständiger Pianist das Ensemble begleitet, haben die Stücke noch mehr an Qualität gewonnen.
Herzogs freier Zurufpantomine gebührte der letzte Teil des Abends. Reaktionsschnelligkeit, Improvisationskunst und pantomimische Körperbeherrschung gehen auf diese Art eine feste Dreierbeziehung ein, zum Vergnügen des Publikums. Im jüngsten Programm des Mimenstudios mit dem Titel "Mime - Time" füllt das Miteinander zwischen Publikum und Akteuren einen ganzen Abend. In der Abschlussveranstaltung zur Spielzeit 2005/06 bildeten Ausschnitte aus "Mime - Time" den Höhepunkt. Von links ruft einer "Schuhlöffel", von rechts wirft einer das Wort "Kaugummi" in den Ring. Es bleiben nur wenige Sekunden Zeit zu überlegen, dann formiert sich die Pantomimengruppe und setzt mit grandiosen Einfällen das seltsame und bis heute sicher auch völlig unbekannte Wort "Kaugummischuhlöffel" pantomimisch um. Ob es damit nun reif für die Aufnahme in das Lexikon ist, sei dahin gestellt.
Im September startet die Mimenbühne in die neue Saison, im Oktober wird es die erste Premiere geben, vom 3. bis 5. November ist das Mimenstudio Gastgeber für das "Mimenfestival". Das heißt, jede Menge hochkarätige Gäste, so Herzog.
W. Zimmermann
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